MITTE-Forschung – MITT3
Geschrieben am von Marlon Melzer
MITT3 – Auf der Suche nach der sprachlichen Mitte
Eine Forschungsarbeit seit 2018. Meine Mitte Vision für die Zukunft
Seit 2018 beschäftige ich mich mit einer ungewöhnlichen Frage:
Warum können wir Gegensätze so selbstverständlich benennen, aber wissen oft nicht welche genauen Worte zwischen ihnen stehen?
Aus dieser Frage ist über die Jahre eine eigenständige Forschungs- und Entwicklungsarbeit entstanden. Ich habe mich intensiv mit Wortbeziehungen, sprachlichen Gegensätzen und sogenannten Wortdreiheiten beschäftigt. Dabei habe ich zahlreiche semantische Zusammenhänge untersucht und wiederkehrende Merkmale von Mitte-Wörtern entdeckt.
Eine meiner ersten Beobachtungen: Während zwei Begriffe häufig ein direktes Gegenwort oder Spiegelwort besitzen, scheint der verbindende Begriff eine ganz andere sprachliche Funktion einzunehmen. Er ist nicht zwangsläufig ein Gegenpol, ein Mittelwert oder ein Kompromiss. Er bildet oft eine eigenständige und zentrale Bedeutung innerhalb einer Dreiheit.
Ein einfaches Beispiel:
START – WEG – ZIEL
Start und Ziel stehen sich als Ausgangspunkt und Endpunkt gegenüber. Der Weg nimmt eine andere Rolle ein: Er verbindet beide Begriffe durch einen Prozess.
Doch was macht ein solches Mitte-Wort aus? Gibt es wiederkehrende Merkmale? Lassen sich diese Beziehungen systematisch erfassen? Und können wir lernen, nicht nur in Gegensätzen und Zweierbeziehungen, sondern auch bewusst in Dreiheiten zu denken und zu sprechen?
Unser deutsches Sprachsystem ist primär binär aufgebaut. Ich konnte nirgends eine echte Wissenschaft oder Forshung darüber finden, die deutsche Sprache in eine triadische Struktur zu gliedern. Für mich ist das mittlerweile völlig verrückt. Doch nicht nur das es stellt für mich den größten blinden Fleck in der deutschen Sprachkultur dar. Und vielleicht ist das kein regionales Sprachthema, sondern ein weltweites zu untersuchendes Phönomen .
Aus diesen Fragen sind inzwischen mehrere miteinander verbundene Ansätze entstanden.
Der MITT3 – Der Mitte-Test – Mitt3 – Mitte Forschung
Mit dem MITT3 habe ich einen experimentellen Ansatz entwickelt, um die Fähigkeit zur sprachlichen Dreiheitsbildung zu untersuchen.
Menschen erhalten dabei einzelne Begriffe oder Begriffspaare und sollen eigenständig eine sinnvolle Dreiheit vervollständigen. Untersucht wird, welche Worte sie wählen, welche Beziehungen sie herstellen und welche Funktion sie dem mittleren Begriff zuordnen.
Der MITT3 soll damit einen ersten Zugang zu einer bislang wenig untersuchten Fragestellung ermöglichen: Wie selbstverständlich können Menschen sprachliche Dreiheiten bilden?
Der Test befindet sich in einer experimentellen Entwicklungsphase. Seine wissenschaftliche Aussagekraft und mögliche Auswertungsverfahren müssen noch überprüft werden. Doch eines sei schon jetzt gesagt, es ist unglaublich, wie klar wir Menschen bei auffinden von Gegensätzen sind, doch ab dem Zeitpunkt ein Prozesswort in Mitte zu finden, steigt unser Gehirn schnell aus. Es erscheint mir als können wir Mitten nicht benennen…
Der Algorithmus der Mitte
Parallel zu diesen Erfahrungswerten habe ich selbst weiter geforscht und mich immer tiefer in die Materie der Wortdreiheiten eingearbeitet. Ich habe dort einen Algorithmus der Mitte entdeckt und bin dabei ihn immer klarer zu formulieren. Er geht mit der Zahlenkombination 132 einher. Dahinter steht meine Idee, die von mir untersuchten sprachlichen Beziehungen nicht nur zu sammeln, sondern ihre zugrunde liegende Systematik zu erfassen.
Langfristig beschäftigt mich insbesondere die Frage, ob sich diese Systematik auch für künstliche Intelligenz nutzbar machen lässt. Könnten Sprachmodelle mithilfe eines solchen Regelwerks funktionale Mitte-Begriffe erkennen, überprüfen oder sogar eigenständig ermitteln? Meine Vision ist, menschlich erkannte semantische Strukturen so zu beschreiben, dass auch Maschinen sie gezielt nutzen können. Ob und in welcher Form daraus ein technischer Mehrwert entsteht, möchte ich wissenschaftlich untersuchen lassen.
Eine Vision, die über meine eigene Arbeit hinausgeht
Ich betrachte diese Arbeit nicht als abgeschlossene Theorie und erhebe keinen Anspruch darauf, bereits alle Antworten gefunden zu haben. Doch ich nehme gleichzeitig wahr, dass es aktuell kaum jemanden gibt, der sich meinen „Mitte-Theorien“ öffnet und sich konstruktiv mit dem Phänomen auseinandersetzt. Stand 2020 – 2026.
Ich selbst sehe darin eine der wichtigsten Forschungsrichtungen der Zukunft, die Fragen berührt, die weit über die Sprache hinausgehen: unsere Denkgewohnheiten, unsere Wahrnehmung von Gegensätzen, unsere Fähigkeit zur Differenzierung und möglicherweise auch die Entwicklung zukünftiger Mensch-Maschine-Kommunikation.
Mitte als Grundmuster des Lebens? Das sollten wir prüfen.
Meine Vision ist es, die bisherigen Ergebnisse, Beobachtungen und entwickelten Ansätze der Wissenschaft und Forschung zugänglich zu machen und sie gemeinsam mit geeigneten Fachleuten weiterzuentwickeln.
Wenn sich darin ein Erkenntnisgewinn verbirgt, der dem Menschen und letztlich der Menschheit dienen kann, möchte ich meine Arbeit nicht für mich behalten. Ich möchte sie zur Verfügung stellen.
Ich glaube fest daran, dass wir dabei nicht nur neue Zusammenhänge unserer Sprache entdecke, sondern auch eine Fähigkeit, die in unserer bisherigen Sprach- und Denkkultur zu wenig Beachtung gefunden hat:
Die Fähigkeit, eine Mitte nicht nur zu suchen, sondern sie eigenständig zu erkennen, zu benennen und in unser Denken einzubeziehen.
Marlon Melzer
Autor | Konzeptentwickler | Initiator von MITT3
Forschungsbeginn: 2018
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